Warum sich Digitalisierung noch immer wie eine Baustelle anfühlt – und was Unternehmen jetzt ändern sollten.
24.04.2026
In vielen Organisationen zeigt sich ein ähnliches Muster: Informationen sind vorhanden, aber nicht schnell genug verfügbar. Der Weg dorthin ist zu kompliziert, Zuständigkeiten sind unklar, Systeme fragmentiert. Also entstehen Workarounds – Excel-Listen, Zurufe, individuelle Lösungen. Schnell, pragmatisch und selten nachhaltig. Das ist kein individuelles Versagen, sondern die logische Reaktion auf ein strukturelles Problem.
Dabei liegt das Problem selten in der Technologie. Cloud, Datenplattformen, Automatisierung und KI sind in den meisten Unternehmen längst angekommen. Und trotzdem bleibt das Gefühl, nicht wirklich voranzukommen. Der Grund liegt tiefer: IT wird noch immer zu oft als Unterstützungsfunktion gedacht – zuständig für Stabilität, Effizienz und Kostenkontrolle. Lange galt sogar: Die beste IT ist die, die man nicht bemerkt. Doch diese Sicht passt nicht mehr zur Realität.
Heute ist IT zentraler Bestandteil der Wertschöpfung. Sie beeinflusst, wie Produkte entstehen, wie Kunden interagieren und wie Entscheidungen getroffen werden. Wer IT weiterhin als Kostenstelle versteht, denkt einen immer größeren Teil des eigenen Geschäftsmodells als Kostenstelle – und bremst sich damit selbst aus.
Viele Unternehmen scheitern dabei nicht an fehlender Technologie oder Kompetenz, sondern daran, dass sie die falschen Fragen beantworten. Über Jahre hinweg ging es darum, Systeme effizient und stabil zu betreiben. Darin sind viele Organisationen sehr gut geworden. Doch inzwischen reicht das nicht mehr. Die entscheidende Frage lautet nicht länger nur, wie bestehende Prozesse optimiert werden können, sondern wie sich das Unternehmen selbst weiterentwickeln muss, um relevant zu bleiben. Genau hier entsteht die Lücke.
Parallel dazu verlagern sich Entscheidungen zunehmend in die Fachbereiche. Mitarbeitende erwarten heute intuitive, sofort verfügbare Lösungen – geprägt von ihren Erfahrungen im Alltag. Wenn bestehende Systeme diese Erwartungen nicht erfüllen, entstehen Alternativen: eigene Tools, Schatten-IT, individuelle Prozesse. Nicht aus Trotz, sondern aus dem Bedürfnis, handlungsfähig zu bleiben. In der Praxis setzt sich deshalb nicht die technisch beste Lösung durch, sondern die, die tatsächlich genutzt wird.
Ähnlich verhält es sich mit Daten. Fast jedes Unternehmen möchte datengetrieben arbeiten, doch im entscheidenden Moment fehlen oft genau die Informationen, die benötigt werden. Daten existieren in großer Menge – aber selten in einer Form, die unmittelbar nutzbar ist. Der Unterschied ist entscheidend: Daten zu haben ist nicht dasselbe wie Entscheidungen darauf treffen zu können.
Ein weiterer Grund für das „Baustellengefühl“ liegt in der Organisation von Digitalisierung. Häufig wird sie als Projekt verstanden, mit klar definiertem Start und Ziel. Doch digitale Lösungen entfalten ihren Wert nicht durch ihre Einführung, sondern durch ihre kontinuierliche Weiterentwicklung. Fehlt diese Perspektive, entstehen schnell Systeme, die zwar funktionieren, aber nicht mehr weitergedacht werden – und damit zu Legacy werden.
Was es deshalb braucht, ist ein Perspektivenwechsel: Digitalisierung ist kein Vorhaben mit Enddatum, sondern eine Fähigkeit. Die Fähigkeit, sich kontinuierlich anzupassen, bessere Entscheidungen zu treffen und Technologie gezielt für Wertschöpfung zu nutzen. Unternehmen, die das verstehen, fragen nicht mehr, wann sie „fertig“ sind, sondern wie anpassungsfähig sie wirklich sind.
Drei Fragen helfen, den eigenen Standort ehrlich zu bewerten:
1. Ist unsere IT strategisch eingebunden oder primär Dienstleister?
2. Gibt es klare Verantwortung für Datenqualität?
3. Und vor allem: Welche bessere Entscheidung werden wir künftig besser durch eine technologische Investition treffen können?
Wenn diese letzte Frage unbeantwortet bleibt, ist Technologie oft eher Ablenkung als Lösung.
Vielleicht liegt der größte Denkfehler darin, die „Baustelle“ als etwas Negatives zu sehen. In einer Welt, die sich ständig verändert, ist „fertig sein“ keine realistische Option mehr – im Gegenteil, es kann zum Risiko werden. Erfolgreiche Organisationen bleiben bewusst im Wandel, passen sich an und entwickeln sich weiter.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob alles abgeschlossen ist. Sondern ob an den richtigen Dingen gearbeitet wird. Denn nicht die Baustelle ist das Problem, sondern der Moment, in dem man glaubt, nichts mehr verändern zu müssen.
Wenn Sie Ihre IT- oder Digitalisierungsstrategie neu ausrichten oder weiterentwickeln möchten, kommen Sie gerne auf uns zu.
Dr. Tobias Höllwarth
Dr. Tobias Höllwarth (Managing Partner)
Dr. Tobias Höllwarth
Dr. Tobias Höllwarth (Managing Partner)

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